Warum jetzt der Kursrutsch beim DAX und den Börsen international?

CPB | Montag, 22. August 2011 - 11:58

Für den starken Kursrutsch an den Börsen in der vorigen Woche haben viele Fachleute keinen plausiblen Grund. Die Börsen reagieren normalerweise auf aktuelle Meldungen, aber es gab keinerlei Neuigkeiten, die einen derartigen Börsencrash hätten verursachen können. In den USA wurde die Zahlungsunfähigkeit durch die 52. Erhöhung der Schuldenbremse in der Verfassung zwei Wochen zuvor abgewendet und in der Schuldenkrise in der EU gab es keine nicht bereits bekannten Horrormeldungen über neue Pleitekandidaten. Die weltweite Schuldenkrise ist zwar Grund genug, um ein Gefühl der Unsicherheit zu bekommen, aber der DAX Kursrutsch hat mit den Unternehmenswerten der börsenorientierten Firmen und deren wirtschaftlicher Lage in den meisten Fällen nichts zu tun. Wenn nur die Finanztitel betroffen gewesen wären, könnte man noch eine Begründung für den DAX Kursrutsch ableiten, aber es sind alle Unternehmen unter die Räder gekommen, auch diejenigen DAX-Unternehmen, die noch einige Tage zuvor Umsatz- und Gewinnrekorde gemeldet hatten.

Hat die Marktwirtschaft als Wirtschaftssystem versagt?

Im Prinzip nicht, kann man konstatieren. Die Marktwirtschaft insgesamt hat inhaltlich in den letzten Jahren nicht versagt. Die Finanzkrise 2008 im Zuge der Lehman-Pleite hatte eine Krise der Weltwirtschaft nach sich gezogen, weil die Banken sich gegenseitig nicht mehr vertrauten und den Unternehmen keine ausreichenden Kredite mehr zur Verfügung gestellt hatten. Die Banken selbst kamen in die Schieflage und die Staaten haben sich durch die Übernahme von Banken, durch Rettungsschirme, durch Konjunkturpakete und Kurzarbeitergeld weiter verschuldet. Die Wirtschaft hat sich von diesem Tief inzwischen erholt und die Unternehmen haben wieder gute Geschäfte gemacht. Sie steigerten bis heute die Umsätze und machen wieder Rekordgewinne. Ein wesentlicher Fehler ist allerdings im Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Auswirkungen des Aufschwungs aufzudecken. Die Gewinne kommen immer nur bei einer sehr kleinen Bevölkerungsgruppe an und wirken sich daher nicht konjunkturfördernd aus, sondern landen in Auslandsimmobilien, Luxusjachten, Firmenanteilen und Gold.  Der Arbeitsmarkt ist dagegen von Minijobs, Zeitarbeit und Niedriglöhnen geprägt. Der Mittelstand bröckelt ab und die Schere zwischen arm und reich wird immer größer. Selbst der absolut nicht als Linker bekannte Heidelberger Steuerrechtler und frühere Verfassungsrichter Professor Paul Kirchhof kritisiert in einem Interview mit der FAZ Sonntagszeitung am 20.8. die Eurorettung und beklagt den Feudalismus im deutschen Steuerrecht. Es beruhe auf dem “Recht des ökonomisch Stärkeren” und führe zu einer “Umverteilung von Arm zu Reich”, sagte Kirchhof dieser Zeitung.

Wird die falsche Politik gemacht? Ist das der Auslöser für den Kursrutsch bei DAX, ATX, Dow Jones und Co.?

Es gibt im politischen Lager immer für jedes Thema Befürworter und Gegner. Ob die Maßnahmen zur Euro-Rettung weiterhin richtig sind, bezweifeln jedoch immer mehr Menschen. Die Pleiteländer in der Euro-Zone verschulden sich immer weiter und haben keine Chance die Schulden jemals wieder zurück zu zahlen. Die Banken haben diesen Staaten immer mehr Geld gegeben und offensichtlich jetzt erkannt, dass es nicht realistisch ist, dass sie das Geld am Fälligkeitstag von den Schuldnern wieder zurück bekommen. Jetzt kommt die EZB ins Bild und kauft den Banken diese Schuldenberge der Pleiteländer ab. Für die Länder Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien soll die Europäische Zentralbank inzwischen Staatschuldtitel im Wert von etwa 100 Milliarden EURO aufgekauft haben. Weder die unbegrenzte Schuldenmacherei, noch der Aufkauf von Schrottpapieren sind vom Maastrichtvertrag auf irgendeine Weise gedeckt. Die Politik hält trotz Kursrutsch DAXweiter an der Euro-Rettung und den Rettungsschirmen fest und reagiert nur mit neuen Ankündigungen, die inzwischen wenig Wirkung zeigen. Der Druck der EU und der EZB auf die hoch verschuldeten Länder wächst und sie legen immer neue Sparpakete auf. Die Binnenwirtschaft in diesen Ländern wird kaputtgespart. Sie bricht zusammen und die Menschen müssen immer mehr darunter leiden. Der Unmut steigt und man kann die nächsten Krawalle schon fast vorhersagen.

Sind EURO-Bonds die Lösung? Stoppt eine Ankündigung dazu den Kursverfall?

Zum Glück wehren sich die Regierungen in Deutschland und Österreich noch immer gegen solche europäischen Schuldtitel. Die Tatsache, dass die Nehmerländer dafür sind, verwundert sicher niemanden. Wenn man die nächsten Schulden damit für 2 bis 3% weniger Zinsen aufnehmen kann, ist das sicher für diese Länder ein starkes Argument. Das wäre jedoch genau das falsche Signal an die Schuldenmacher. Die immer höher werdenden Zinsen bei immer höher werdenden Schuldenbergen sind die wichtigste Schuldenbremse, auf die man nicht verzichten sollte. In Österreich ist man sich in der Ablehnung zwischen Regierung und Opposition einig und würde für eine solche Änderung des EU-Vertrages wahrscheinlich eine Volksbefragung machen. Warum in Deutschland die SPD, die Grünen und die Linke den Steuerzahler mit weiteren Milliarden durch Eurobonds belasten wollen, bleibt ein Rätsel. Die Länder, die noch ein erstklassiges Rating haben, würden durch höhere Zinsen auf Staatsanleihen bestraft und die Schuldenkönige würden entlastet und belohnt. Auch die Idee einer europäischen Wirtschaftsregierung, die bei einem der vielen Gipfel, zuletzt zwischen Nikolas Sarkozy und Angela Merkel in Paris “geboren” wurde, ist wahrscheinlich nicht die Meldungen wert, die sie hervorgerufen hat. Wie das Direktorium der EZB würde eine solche “Wirtschafts-Eingreiftruppe der EU” mehrheitlich wahrscheinlich aus den Nehmer-Ländern bestehen und was dann dabei herauskommt, kann man sich schon heute gut vorstellen.

Die Goldpreisentwicklung zeigt Unsicherheit und Zukunftsangst!

Der Goldpreis schlägt alle Rekorde mit der derzeitigen Goldpreisentwicklung. Er liegt mit über 1.800 US-Dollar je Feinunze auf dem Höchststand aller Zeiten und auch die Gold-Performance ist beeindruckend. Seit Anfang Juli ist der Preis für das Edelmetall um 400 US-Dollar pro Feinunze gestiegen und hat seit Jahresbeginn immerhin um stolze 30% zugelegt. Das konnten die Aktienbesitzer nicht gerade sagen, denn der Kursrutsch DAX hat gerade so manche Träume platzen lassen. Die Unsicherheit und die Zukunftsangst spiegeln sich im Preis für Gold wieder und auch die anderen Edelmetalle legen stets kräftig zu. In Folge der US-Schuldenkrise und der EURO-Schuldenkrise wird Gold wieder zu einem international anerkannten sicheren Hafen und hat seinen Ruf als sicherste Weltwährung bestätigt. Wenn der Goldpreis jetzt mal etwas nachgibt und dann die Gold-Nachfrage wieder steigt, könnte dabei sogar ein neues Kaufsignal entstehen, dass den Goldpreis weiter nach oben treibt. Es gibt im Moment Fachleute, die ernsthaft einen Goldpreis von 5.000 US-Dollar je Feinunze als Zielpreis anvisieren. Manche kühlen Rechner sehen zwar bei allem Optimismus solche Zahlen als Utopie an, aber beweisen kann das im Moment keiner.

Das Misstrauen in die EU-Politik wächst!

Es ist anzunehmen, dass sich die Menschen in Deutschland, Österreich, Finnland und den Niederlanden diese Euro-Politik nicht mehr lange gefallen lassen. Im Nicht-EURO-Land, aber EU-Land Großbritannien, haben die ersten Krawalle schon gezeigt, womit man demnächst in anderen Ländern, in denen hart gespart wird, noch rechnen muss. Die Politik handelt nicht, sondern kündigt nur immer wieder neue Ideen und Maßnahmen an. Sie reagiert nur noch auf neue Hiobsbotschaften und wartet auf den nächsten Crash. Inzwischen fallen die Kurse an den Börsen noch weiter und die Goldpreise zeigen, wo der Weg hinführt. Sogar in China und Indien wurde der Goldverkauf im zweiten Quartal um 25 bzw. 35% gesteigert. Die Flucht ins Gold ist eine reale Reaktion der Bevölkerung auf diese unsichere Zeit, in der Milliarden herumgeworfen werden, als ob es sich beim EURO nur noch um virtuelles Geld handelt. Das zweite EU-Rettungspaket reicht für Italien und Spanien auf keinen Fall aus und wenn die EZB weiter die Schuldtitel der Wackelkandidaten aufsammelt, brauchen wir demnächst ein drittes EU-Rettungspaket für die EZB. Wir brauchen eine geregelte Insolvenz für Banken und Länder, die keine anderen Banken oder Länder mitreißt. Der DAX-Kursverfall und der anderen Börsen in Euroland ist das Ergebnis falscher Politik und von großem Misstrauen der Märkte, dass die Zukunftsaufgaben von der Politik gelöst werden!

 

 

 

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